Umsatzsteuer in Norwegen

 

 

Allgemeines

Norwegen ist zwar dem Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR-Abkommen) beigetreten und damit mit der EU eng verbunden – jedoch fällt die nationale Umsatzsteuergesetzgebung außerhalb des EWR-Abkommens, so dass Norwegen aus EU Umsatzsteuersicht als Drittland gilt und die EU Umsatzsteuervorschriften nicht auf Norwegen anwendbar sind. Im Umkehrschluss muss jeder grenzüberschreitende Geschäftsvorgang nach jeweils landesinternen Vorschriften bewertet werden. Das norwegische Umsatzsteuerrecht gleicht in der Systematik in weiten Teilen dem in den EU Ländern vorherrschenden Umsatzsteuerrecht. Das aktuelle norwegische Umsatzsteuergesetz Merverdiavgiftsloven ist im Jahr 2009 verabschiedet worden und trat mit Beginn des Jahres 2010 in Kraft. Soweit nicht im Einzelfall eine Ausnahme- oder Befreiungsregel greift, führt jeder Umsatz im Inland von Waren und Dienstleistungen eines im Umsatzsteuerregister eingetragenenen Unternehmens zur Erhebung von Umsatzsteuer. Umsatzsteuerpflicht wird auch ausgelöst bei Entnahmen, Nutzungsänderungen und Einfuhren von Waren ins Inland. Bestimmte Umsätze sind von der Umsatzsteuer ausgenommen, auf Norwegisch unntatt. Beispiele hierfür sind bestimmte Umsätze in den Bereichen Unterricht, Gesundheit, Soziales und Immobilien. Im Gegenzug ist bei diesen Umsätzen in der Regel der Abzug von Vorsteuern ausgeschlossen. Von den Ausnahmevorschriften zu unterscheiden sind Umsätze, die von der Umsatzsteuer befreit sind, auf Norwegisch fritatt. Bespiele hierfür sind Ausfuhrlieferungen, d.h. Verkauf von Waren ins Ausland und bestimmte Diensleistungen ins Ausland. In diesen Fällen wird der Vorsteuerabzug für gewöhnlich gewährt. Zu den Umsatzsteuersätzen: Der allgemeine Steuersatz beträgt 25%. Ein ermäßigter Steuersatz in Höhe von 15% gilt für Umsatz von Lebensmitteln und ein ermäßigter Steuersatz von 10% gilt z. B. für Personentransporte und Übernachtungen.

 

EINFUHR VON WAREN UND DIENSTLEISTUNGEN

Nach norwegischem Umsatzsteuergesetz soll bei Einfuhren von Waren ins Inland Umsatzsteuer erhoben werden. Hierbei soll der gleiche Umsatzsteuersatz herangezogen werden, welcher bei einem inländischen Umsatz zur Anwendung gekommen wäre. Die norwegischen Finanzbehörden sind für die Festsetzung der Einfuhrumsatzsteuer zuständig. Ab dem 1.1.2017 wird die Einfuhrumsatzsteuer nicht mehr gezahlt, sondern nur noch berechnet und gebucht werden müssen. 

Nach norwegischem Umsatzsteuerrecht können sonstige Leistungen ins Land eingeführt werden, auf Norwegisch innførsel av tjenester. In diesen Fällen findet die Umsatzsbesteuerung beim Empfänger der Leistungen statt; im Ergebnis führt dies also zu einer Umkehr der Steuerschuldnerschaft, bzw. reverse charge. Eine Umkehr der Steuerschuldnerschaft findet jedoch nur dann statt, wenn der Umsatz umsatzsteuerpflichtig gewesen wäre, wenn er im Inland stattgefunden hätte und Voraussetzungen erfüllt sind:

  • die Dienstleistung wird im Ausland eingekauft,
  • es handelt sich beim Empfänger der Leistung um einen Unternehmer und
  • es handelt sich bei der Dienstleistung um eine Leistung, die in seiner Art als fernlieferbar fjernleverbar gilt.

Es ist im Einzelfall zu prüfen, ob eine sonstige Leistung als fernlieferbar gilt, oder nicht. Die norwegische Finanzverwaltung und Rechtsprechung haben zu einer Vielzahl von Leistungsarten konkret Stellung bezogen. In diesem Sinne gelten zum Beispiel Rechtsanwalts- Steuerberater- Vermittlungs- EDV und Reklameleistungen als fernlieferbar. Von hoher praktischer Bedeutung in diesem Zusammenhang ist eine Stellungnahme des Skattedirektoratet vom 20. September 2001 nachdem es sich bei Arbeitnehmerverleih um eine Art von sonstiger Leistung handelt, die als fernlieferbar einzuordnen ist.

Beispiel: Ein Unternehmer in Deutschland verleiht Arbeitskräfte gegen Entgelt an einen Unternehmen in Norwegen. Ergebnis: Der Unternehmer aus Deutschland muss sich in Norwegen nicht umsatzsteuerlich registrieren lassen – vielmehr führt er Leistungen aus, die vom Empfänger der Leistungen im Zuge der Umkehr der Steuerschuldnerschaft zu versteuern sind.

 

REGISTRIERUNG IM UMSATZSTEUERREGISTER UND VORANMELDUNGEN

Jedes Unternehmen, das in Norwegen Umsätze einer gewissen Größenordnung tätigt, muss in das norwegische Umsatzsteuerregister merverdiavgiftsregisteret eingetragen werden. Aktuell ist die 50.000,- NOK Grenze zu beachten; d.h. dass ein Unternehmen das in Norwegen innerhalb eines jeden 12 Monatszeitraums weniger als 50.000,- NOK Umsatz erwirtschaftet nicht ins Umsatzsteuerregister eingetragen wird. Diese Regelung gilt auch für ausländische Unternehmen. Der Eintrag oder Nichteintrag im Umsatzsteuerregister hat direkte Folgen für die Rechnungsstellung: nur bei einem aktuellen Eintrag im Umsatzsteuerregister darf der Unternehmer Umsatzsteuer in Rechnung stellen. Der reguläre Voranmeldezeitraum beträgt zwei Monate. Bei einem Jahresumsatz weniger als 1,0 Mio. NOK kann auf Antrag ein Voranmeldezeitraum von einem Kalenderjahr gewählt werden. Es ist empfehlenswert, dass die Vorschriften bezüglich Eintrag ins Umsatzsteuerregister und die darauf folgenden Ausweis- und Anmeldevorschriften zeitnah erledigt werden, da ansonsten Verspätungszinsen festgesetzt werden.

 

BUCHFÜHRUNGSVORSCHRIFTEN

Es ist zu beachten, dass in Norwegen bereits die Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen zur Buchführungspflicht führt. Die Buchführungspflicht beinhaltet, dass die relevanten Aus- und Eingangsrechnungen verbucht werden müssen. Bei den Ausgangsrechnungen sind die üblichen Rechnungsangaben zu beachten, sowie folgende Besonderheiten:

In den Ausgangsrechnungen ist die norwegische Org. Nr. des Unternehmens zu notieren; falls das Unternehmen im norwegischen Umsatzsteuerregister eingetragen ist, muss hinter der norwegischen Org. Nr. die Abkürzung „MVA“ angefügt werden. Die Abkürzung „MVA“ steht für Merverdiavgift, also Umsatzsteuer und signalisiert dass das Unternehmen im Umsatzsteuerregister eingetragen ist. Es ist darauf zu achten, dass die Rechnungsnummer fortlaufend ist. Die Rechnungen sollen entweder in einem Rechnungsprogramm erstellt werden oder auf vorgedruckte Rechnungen, die eine fortlaufende Rechnungsnummer beinhalten. Die Verwendung von Word oder Excel zur Rechnungserstellung genügt diesen Anforderungen in der Regel nicht.

 

FISKALVERTRETUNG

Seit 01.04.2017 wurde die Fiskalvertretungspflicht für viele EU Länder abgeschafft - so auch für Unternehmen aus Deutschland. Dagegen besteht die Fiskalvertretungspflicht weiter fort z. B. für Unternehmen aus Österreich.

 

FACHBEITRAG

In der Zeitschrift RIW (Recht der internationalen Wirtschaft) findet sich in der Ausgabe Juli 2017 ein Fachbeitrag betreffend "Umsatzsteuer in Norwegen" welcher von unseren Mitarbeitern mit verfasst wurde.

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